Round Robin Tour Exmouth Paignton Totnes

Der Wettergott oder die Wettergöttin war uns nicht nur hold (Großbritannien?!), aber die Tour war sehr schön!

Von Exmouth ging es mit der Fähre nach Kingswear. Dort bestiegen wir die historische Eisenbahn (die Dampflok war leider an diesem Tag defekt) und fuhren durch abwechslungsreiche Landschaft nach Paignton.

In Paignton wechselten wir auf einen historischen Doppeldeckerbus und ließen uns auf dem offenen Oberdeck nass regnen.

In Totnes angekommen war genug Zeit, das kleine Städtchen etwas zu erkunden und sehr lecker in einem tollen Gastropub Essen zu gehen, bevor wir mit dem Schiff im Sonnenschein auf dem Dart wieder nach Exmouth fuhren.

Rund um Ladram Bay

Der Camping Platz ist etwas speziell. Massen von “mobilen” Holiday Homes warten auf Mieter und Käufer. Dafür entschädigt die Umgebung und wir (meistens minus unlustiger Teenager) machen viele Wanderungen in die Umgebung.

An einem Tag geht es nach Budleigh Salterton und an einem anderen nach Sidmouth. Bei letzterer Wanderung stolpern wir zufällig in das örtliche Folk-Festival hinein und es wird klar, wieso alle Campingplätze der Umgebung so stark ausgebucht waren…

Die meisten Veranstaltungsorte der Konzerte sind brechend voll oder ausgebucht, aber auch auf der Straße ist überall Musik und eine tolle Stimmung.

Stonehenge

Die Anfahrt war ein endloser Stau und die Belegung des Parkplatzes deutete auch an, dass wir nicht allein sein würden…

Trotzdem habe ich den Besuch von Stonehenge nicht bereut (zumal es auch quasi auf unserem Weg von Oxford nach Devon lag).
Das Besucherzentrum ist sehr informativ und medial sehr schön gemacht. Die Kilometer von dort zum eigentlichen Monument sind wir nicht mit dem Shuttle-Bus gefahren, sondern (bei ziemlicher Hitze) durch die offene Landschaft gewandert. Die Wanderung gibt einem ein ganz anderes Gefühl für die Prozessionen, in denen die steinzeitlichen Besucher wahrscheinlich durch diese Landschaft gezogen sind.

Der Steinkreis war dann völlig mit Menschen überlaufen und weckte meinen Ehrgeiz ein Foto mit möglichst wenigen davon hinzukriegen. Aber unter eine Person konnte ich es nicht drücken.

360° Stonehenge und Umgebung

Im Video kann man gut sehen, wie dicht die großen Fernverkehrsstraßen an Stonehenge vorbeiführen. Auf der Wanderung bekommt man davon zum Glück nicht so viel mit wie am Monument selbst.

Die Menschenmassen machen es nicht unbedingt leicht, aber die Vorstellung, dass diese Landschaft mit steinzeitlichen Werkzeugen gestaltet und die Materialien über riesige Distanzen her geschafft wurden, ist schon sehr beeindruckend.

Oxford

Was sieht man von Oxford, wenn man mit einem Teenager im Harry-Potter-Fan-Alter einen befreundeten italienischen Historiker und seine Frau besucht?
Alle Potter-Drehorte der Stadt. Und wenn dieser Freund dann sogar noch für die Bodleian Library arbeitet, gibt es das Ganze als Privatführung durch verschlungen Gänge und verwunschene Pfade. Danke Emanuele 🙂

Und wohin flüchtet ein Gärtner (allein) nach einer Überdosis Potter?
In den botanischen Garten. Die Maulbeeren dort fielen sowieso schon in Massen herunter… ehrlich…
… und waren der Kaufanreiz für die zwei Maulbeerbäumchen, die ihren ersten Winter erfolgreich in der norddeutschen Tiefebene überlebt haben. 😉

Kirstenbosch National Botanical Garden

Mein erster Weg im Garten führt mich zur Baumschlange. Der Baumwipfelgang wurde von einer deutschen Kollegin und der Internetseite der Gartenverwaltung wärmstens als spektakuläres Erlebnis empfohlen. – Tja. – Der Besuch beginnt mit einer kleinen Enttäuschung. Die Canopy Walks in Australien, die sich dreißig Meter über den Boden erheben, sind schon eine etwas andere Nummer als die paar Meter der Baumschlange und der Baumwipfelgang in Kew Gardens spielt auch in einer anderen Liga.

Nach und nach erschließen sich mir aber mehr und mehr unterschiedliche Gartenräume. Die Luft, besonders in den Waldgärten ist schwer und aromatisch. Die Gerüche, die ich mir beim Reiben an Pflanzen im Duftgarten an die Finger geholt habe, werden mich noch lange begleiten. Es dauert eine Weile, bis ich begreife, dass der Geruch nicht von mir und mangelnder Körperhygiene ausgeht. Und so stehe ich später am Flughafen in der Toilette und wasche mich, um den Moschusduft loszuwerden, der mich begleitet. Die Szene wird von einem Teenager, der die Toilettenräume betritt, fassungslos bestaunt.

Ein weiteres Highlight des Gartens sind die Vogelstimmen und die vielen dazu gehörenden Sänger. Ich versuche möglichst viele der Vögel zu fotografieren, was aber nicht immer sehr erfolgreich klappt.

Trotzdem ist es irgendwann schon 15.00 Uhr, aber ich rechne aus, dass es bis zum Abflug noch einen ganzen Arbeitstag hin ist. Mit ein paar weiteren Stromereien durch bisher unentdeckte Räume des Gartens bringe ich die Zeit bis kurz vor fünf leicht rum. Der Garten hat so eine unglaublich Ausdehnung! Allerdings warnen am Eingang Schilder vor Raubüberfällen besonders in den peripheren Bereichen und empfehlen nur in Gruppen durch den Park zu gehen.

In einigen Teilen des Parks scheine ich der einzige Besucher zu sein. Ein Knacken im Unterholz lässt mich nervös herum schauen – in Australien hätte ich jetzt nach einem interessanten Tier Ausschau gehalten… Trotzdem ist Kirstenbosch definitiv in meiner Top 10 der schönsten botanischen Gärten weltweit.

Die anschließende Zeit reicht noch, um durch den dichten Feierabendverkehr eine Tankstelle und die Mietwagenrückgabe am Flughafen zu finden.

Der Flug nach Amsterdam ist der letzte heute hier abgefertigte Flug. Check-in und Sicherheitskontrolle verlaufen entsprechend recht zügig. Die Gates werden fast ausschließlich von Gästen dieses Fluges besiedelt. Die Läden mit Nippes, Kosmetika und Elektronik machen kein großes Geschäft. Das Flugzeug rollt ans Gate, die Passagiere verlassen das Flugzeug, Reinigungskräfte und Caterer übernehmen – bald geht es nach Haus.

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Serie von Artikeln zu einer Geschäftsreise nach Südafrika, an die ich ein paar Tage Urlaub dran hängen konnte.

Im Linksverkehr entlang der Küste und durch die Metropole

Schon die Fahrt von Betty’s Bay ins benachbarte Pringle Bay ist ein Erlebnis. Es geht etwas den Berg rauf und dann in ein wunderschönes Küstenpanorama wieder runter. Die Straße windet sich jetzt bis Kapstadt immer an der steilen Küste entlang. Dazu sind auf der gegenüberliegende Seite die Berge des Kaps der Guten Hoffnung zu sehen. Die Straße zählt mit Sicherheit zu den schönsten Küstenstraßen der Welt. Dann erscheint ein trauriges Schild, das das Ende der Walroute markiert. Kurze Zeit später taucht die Straße landeinwärts in die Metropole ein. Die Gewöhnungszeit hat gereicht und ich traue mich sogar rechts zu überholen. In Cape Town angekommen ist der Tafelberg wieder komplett wolkenfrei – was Kollegin Janntje, die ein paar Jahre hier gelebt hat, da bloß erzählt, dass das praktisch nie vorkomme… 🙂

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Serie von Artikeln zu einer Geschäftsreise nach Südafrika, an die ich ein paar Tage Urlaub dran hängen konnte.

Harold Porter National Garden

Zunächst bin ich etwas enttäuscht. Der Garten sieht nicht sehr groß aus. Am Eingang werde ich gefragt, ob ich das erste Mal da wäre. Da dem so ist, erklärt mir ein Guide anhand einer nicht maßstäblichen Karte die möglichen Rundgänge und Touren. Gegen Kaution kann man einen Schlüssel für die Leopardenschlucht-Tour bekommen, die das Gartengelände durch ein Tor verlässt. Die Bilder von Holzleitern am Berg lassen mich dankend ablehnen. Stattdessen mache ich mich auf die Zickzack-Tour. Diese führt mich über einen kleinen Wasserfall, der auch mit dem Rollstuhl erreichbar ist, an den Berghang und höher und höher hinauf. Die Ausblicke sind fantastisch.

Zigzag Trail Harold Porter National Garden

Allerdings wird die Bergwand auch immer steiler und der Pfad – mindestens gefühlt – immer schmaler. Kurz vor der steil aufragenden Felswand in der vorletzten Serpentine ist dann bei mir Schluss und Höhenangst setzt ein. Ich würde mich gerne irgendwo festhalten, aber da ist nur etwas Heidevegetation. Da der Pfad sowieso kein Rundweg ist, beschließe ich mich schon hier unterhalb des Plateaus wieder auf den Rückweg zu machen. Eine Bank mit unglaublichem Blick über die Bucht und einem bunten Strauch davor nutze ich, um meine etwas wackeligen Beine mit ein paar Keksen und Wasser wieder ruhiger zu kriegen.

Eine Abbiegung von den Serpentinen führt mich zum Pfad der Leopardenschlucht-Tour und durch Buschlandschaft mit toller Vogelwelt geht es zurück in den Park. Diesmal lasse ich mir mehr Zeit die umfangreichen Erklärungstafeln zu lesen, die dreisprachig abgehalten sind. Der Besuch klingt dann mit einem Burger mit Pulled Pork im Restaurant des Parks aus. Da ich noch fahren muss, trinke ich nur wenige Schlucke vom bestellten Glas Weißwein, was in diesem Fall aber auch nicht weh tut. Der erste unleckere Hauswein seit ich in Südafrika angekommen bin!

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Serie von Artikeln zu einer Geschäftsreise nach Südafrika, an die ich ein paar Tage Urlaub dran hängen konnte.

Pinguine und andere merkwürdige Vögel in Betty’sBay

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An der Küste entlang nach Betty’s Bay

Den Weg von Pearly Beach finde ich ohne Navi. Erstaunlich wie anders die Landschaft aussieht, wenn man in die andere Richtung fährt. Die steil aufragende Bergkette, aus der ich beim Hinweg kam, ist mir im Rückspiegel nicht weiter aufgefallen. Jetzt ragt sie steil vor mir hoch. Die Kanten sind von den vielen Jahren, die sie schon hier steht, gerundet, aber die Seiten steigen immer noch fast neunzig Grad an. Durch die flachen Ebenen zwischen den Bergen und an der Küste vor den Bergen geht es wieder nach Hermanus.

Ankunft mit technischer Unterstützung

Die wunderschöne Küste entlang bin ich plötzlich schon in Betty’s Bay. Jetzt nehme ich doch noch dankbar die Hilfe der Technik in Anspruch, um mein gemietetes Apartment zu finden. Das Handy verrät mir über meine Bestätigungsmail die Adresse und damit findet mein Navi im Mietwagen die Unterkunft ohne Probleme. Noch vor wenigen Jahren wäre so eine „Reiseplanung“ undenkbar gewesen. Von Unterkunft zu Unterkunft habe ich mich über Buchungen über das Internet durchgehangelt, mal über das WLAN meiner Unterkunft, mal über mobiles Internet von MTN, das hier eigentlich immer zur Verfügung stand und (aus meiner deutschen Perspektive) nicht die Welt kostet.

Pinguine!

Der Fußweg zum Pinguinreservat ist sehr abwechslungsreich. Das Land zwischen den Ferienhäusern (?) könnte fast angelegter Garten sein. Unterschiedliche Gräser, Büsche und Wildblumen bedecken die Flächen zwischen zahlreichen Felsbrocken. Überhaupt hat die Pflanzenwelt es mir angetan. Viele Pflanzen, die wir in Deutschland nur als Zimmerpflanzen kennen, sehe ich hier am Straßenrand wachsen. Proteae, Pelargonien, Clivia – alles wächst wild oder einfach so im Vorgarten.

Kaum am Strand der Pinguine angekommen, begegnet mir auch schon der erste. Ich mache ein paar Fotos und der Pinguin macht sich auf von der Wasserlinie in die Vegetation des Hinterlandes. Am Strand weiter herumstromernd, mache ich Fotos von einem Kingfischer, Nilgänsen, afrikanischen Austernfischern und anderen Vögeln. Als ich zum Punkt der ersten Pinguinbegegnung zurückkommen, stehen einige Pinguine am Strand und kommen nicht weiter, weil ein Teenager und ihr Vater im Weg zur Pflanzenzone mit den Wohnhöhlen stehen und Fotos machen. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit die Beiden gerade darauf ansprechen möchte, fängt der Vater an seiner Tochter zu erklären, dass die Pinguine weiter zu ihren Höhlen möchten. Was für Spacken! Wenn man sich dessen nicht bewusst ist, da ewig rumzustehen, ist ja schon blöd. Aber so was für das perfekt Selfie mit Pinguin?

Weiter geht es am Strand und ich stelle fest, dass ich beim Ankommen falsch abgebogen bin. Das eigentliche Reservat befindet sich hinter einem Zaun zur anderen Seite des Strandes. Da die Öffnungszeit gerade vorbei ist, gehe ich nicht mehr rein. Es ist nach 16.00 Uhr und die Pinguine kommen allmählich in großen Zahlen von der Arbeit im Ozean zu ihren Lieben in den Höhlen zurück. Und auch ohne im Reservat zu sein, sehe ich dutzende von Pinguinen.

Zurück auf dem Weg in die Unterkunft begegne ich zwischen den Felsen drei Frauen, die mir erzählen, dass sie nach „seastars“ suchen. Erst etwas später stutze ich und denke, heißen die Dinger nicht “starfish”?
Das ist schon ein merkwürdiges Land. Fast überall, wo ich mir etwas angesehen habe, sind fast ausschließlich Weiße zu sehen gewesen. Und die Weißen, denen ich begegne, sprechen überwiegend muttersprachlich Afrikaans. Die Schwarzen machen vielleicht die Parkaufsicht, den Kellner oder die Gärtnerin. Aber sie schauen sich nirgends müßig gehend das Land an. Wie viele sind wohl in der Mittelschicht angekommen, die für solche Bildungstrips Zeit und Geld hat?
Im Flieger von Johannisburg nach Kapstadt war im Magazin der Fluglinie eine Buchrezension. In dem Buch beschrieb eine schwarze Südafrikanerin ihre Erlebnisse auf einer Campingtour mit der Familie durch Südafrika. Schwarze, die campen gehen, war für viele andere – der fast ausschließlich weißen – Nutzer der Campingplätze fast unfassbar und für einige leider auch zu viel.

Ich werde nicht mehr viel über diese Gesellschaft herausfinden. Ich habe gerade über das langsam schwindende Datenvolumen meines Handys meinen Sitzplatz im Flieger reserviert. Die Gedanken gehen an das richtige Packen für morgen. Was geht sofort in den Koffer, was erstmal in den Rucksack, was muss im Koffer oben sein, damit ich vor dem Abflug noch mal umpacken kann? Da mein Flieger erst um 22.55 Uhr geht, werde ich von hier noch zum botanischen Garten von Kirstenbosch hochfahren. Das Navi im Auto ist programmiert.

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Serie von Artikeln zu einer Geschäftsreise nach Südafrika, an die ich ein paar Tage Urlaub dran hängen konnte.

Ausflug zum Cape Agulhas

Zum Glück hat Sonia vom B&B mir eine Wegbeschreibung mitgegeben. Mein Navi will mich in einem riesigen Inlandsbogen von Pearly Beach nach Cape Agulhas führen. So biege ich vorher ab und fahre durch eine hügelige, liebliche Agrarlandschaft, die dann in Buschland übergeht. Kurz vor Elim sehe ich von rechts eine Schotterpiste aus Pearly Beach kommen. Die hätte mächtig Weg abgekürzt, aber noch habe ich mich das mit dem Mietwagen nicht getraut.

Elim ist ein Dorf wie aus dem Bilderbuch. Kleine, weiße Häuser reihen sich die Dorfstraße aneinander bis hoch zur Dorfkirche. Die Bewohner scheinen alle Schwarze zu sein, die teilweise in den kleinen, gepflegten Gärten vor den Häusern sitzen. Eigentlich sollte ich hier mit der Kamera herumlaufen und schöne Bilder machen. Aber irgendwie hätte ich dabei ein merkwürdiges Gefühl des Nicht-hier-her-gehörens und Unfreundlichen-betretens im Bauch. Ich biege ab auf die Straße nach Struisbaai.

Hinter Elim versucht das Navi immer noch mich wieder auf die lange Inlandsroute zurückzuführen. Die geteerte Straße knickt nach links nach Bredasdorp, aber ich fahre geradeaus auf die Schotterpiste nach Struisbaai. Und schon nach kurzer Fahrt hat es sich gelohnt. In einem Wasserloch stehen Flamingos, auf Feldern und im Busch sind Strauße und merkwürdige Vögel, die nach einer Mischung aus Kasuar, Truthahn und Pfau aussehen, überqueren die Piste. Dann trifft die Schotterpiste wieder auf die Asphaltstraße zum Cape Agulhas.

Nach einem Tankstopp, den ich auch nutze, um an einen Geldautomaten zu gehen, entdecke ich in der, vom Tankwart geputzten Windschutzscheibe, einen mehrere Zentimeter langen Riss. Mist.

Der Leuchtturm am Kap ist sehr hübsch. Die Schotterpiste bis zum Parkplatz direkt am vorgeblich südlichsten Punkt Afrika ist etwas abenteuerlich. Das Monument mit der Platte mit Aufschriften in Afrikaans und Englisch ist etwas langweilig. Geduldig warte ich, bis eine wahrscheinlich Afrikaans sprechende Familie mit allen verfügbaren Kameras und Telefonen Fotos von einander gemacht hat. Zum Abschluss fotografiere ich die vier auch noch zusammen. Dann mache ich Bilder für eine Panoramaaufnahme und überlege, was wohl die Kerle dachten, die dieses Ding einfach an einer passenden Stelle an der Küste fallen ließen. Die Seite, die der indische Ozean sein soll, gibt sich allerdings mit einem Farbspiel in allen Blau- und Türkistönen Mühe, exotisch auszusehen und den Atlantik grau und langweilig aussehen zu lassen.

Zurück fahre ich zunächst die Asphaltstraße. Durchgezogene Linie – eigentlich denke ich, „was soll’s“. Aber der Verkehr ist sehr zügig unterwegs und so halte ich nicht an einem Feuchtgebiet mit Löfflern und Kranichen. Habe ich tatsächlich vergessen zu erwähnen, dass auf den Feldern immer wieder große Gruppen von weißen Reihern oder Ibissen stehen?

Hinter Elim nehme ich dieses Mal die abkürzende Schotterpiste und werde mit wunderschönen Bergpanoramen belohnt. Da die Piste recht unübersichtlich ist, halte ich lieber nicht an, um Fotos zu machen.

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Serie von Artikeln zu einer Geschäftsreise nach Südafrika, an die ich ein paar Tage Urlaub dran hängen konnte.

Pearly Beach

Heute geht es durch tolle Landschaft mit Bergen, ausgedehnten Flächen mit Buschbewuchs, dramatischen Küsten und großen Inlets nach Pearly Beach. Zunächst ist es etwas diesig und es gibt etwas Sprühnebel. Aber der Nachmittag ist wunderbar sonnig und ich verbringe ihn am Meer auf den Felsen und am Strand.

Doch noch: Auch hier gibt es mieses Essen

Vorher suchte ich noch nach einem Ort für ein kleines Lunch (das full English breakfast aus dem letzten B&B wirkte noch).

Der „Beach Club“ ist scheinbar eine alte Scheune. Besucher sind willkommen, doch ich bevorzuge weiter zu fahren. Gegenüber ist ein Pub. Schon auf dem Parkplatz beschließe ich noch etwas weiter zu suchen. So fahre ich fast jede Straße des Ortes ab. An der Küste stehen teilweise sehr exklusiv aussehende Bauten, weiter landeinwärts steht eine Schlichtbausiedlung für Schwarze. Ich habe alles gesehen und kehre also doch im Beach Club ein.

Schon an der Tür nimmt mich eine Dame in Empfang, die mich zum Tresen für Essensbestellungen lotst. Es gibt noch eine Portion geschmorrten Ochsenschwanz mit Gemüse. Auf der Karte habe ich das Gericht hier schon oft gesehen, also sage ich nicht nein. Die örtliche Bevölkerung dreht sich wieder von mir weg und ihrem Essen zu. Zumindest der Teil, der im Restaurant sitzt, tut dieses. Die Besucher der Bar schauen noch eine Weile zu mir, so sie nicht etwas apathisch in ihre Gläser schauen.

Die Scheune ist praktisch dreigeteilt. Durch den Eingang kommend, findet man zur Linken an der Hinterwand eine Bar. Von dieser hole ich mir dann auch, als mein Essen da ist, eine Cola. Die anderen Gäste trinken Bier (Männer) oder Weißwein (Frauen).

Die Mitte gehört Sitzplätzen von „Karin’s Kitchen“, deren Tresen an den Bartresen in der Mitte der Hinterwand anschließt. Zwischen Bar und Restaurant brennt ein Feuer in einem verglasten Ofen, dessen Wärme kaum bis zu einem der hinteren Tische strahlt, an dem ich sitze. Das letzte Drittel wird von einer Freifläche und einer Art Bühne eingenommen.

Die freundliche, etwas plumpe Bedienung bringt mir einen Teller mit einer enormen Portion heißen Essens. Es sieht nicht sehr lecker aus. Die Erbsen sehen nach Konserve aus. Die Karotten habe jegliche Form eingebüßt. Der Ochsenschwanz besteht überwiegend aus Knochen. Alles wäre gut, wenn da jedenfalls etwas Geschmack drinnen wäre! Auch größere Mengen von Salz aus dem etwas ranzigen Streuer auf dem Tisch – kommt da überhaupt etwas raus?! – helfen leider nicht. Als ich das Besteck zur Seite lege und die Bedienung abräumt, droht sie mir an, dass zum Sonntagsspezial auch noch ein Nachtisch gehört. Sie bringt eine Schale mit einem irgendetwas in Vanillesauce und Sahne. Die Masse weicher Konsistenz mit einer karamellisierten Oberfläche schmeckt erstaunlich gut und ich esse sie fast auf. Was ich leider mit dem Ochsenschwanz auch schon gemacht habe. Angesichts des opulenten Frühstücks aus dem B&B war das sicher ein Fehler. Allerdings wollte ich den Einheimischen das Essen nicht fast komplett zurückgeben. Immerhin war die Aufmerksamkeit gerade nicht mehr auf mich gerichtet. Und den einheimischen (bis auf einen Bargast ausschließlich weißen) Gästen scheint es sehr gut zu schmecken bei Karin. So lassen sie es jedenfalls die Bedienung wissen.

Walroute ohne Wale

Auch mit dem im B&B geliehenen Fernglas habe ich den ganzen Nachmittag kein Glück beim Wale sichten. Sonia vom B&B behauptet, dass am Vortag eine Mutter mit Kalb in der Bucht gewesen sei. Ich erwidere, dass ich das auch sagen würde, wenn ich in der Tourismusindustrie wäre. Sie lacht.

Vielleicht haben sich kluge Touristiker das alles nur ausgedacht?
Dagegen sprechen die freundlichen Südafrikaner, die ich vor dem Checkin im B&B am Strand traf. Sie kommen immer zum Wale beobachten hierher und ließen mich sogar durch ihr Fernglas schauen. Clever wäre das aber schon. Abertausende von Touristen, die hunderte Kilometer an der Walroute entlangfahren, übernachten, essen und Souvenirs kaufen. Das wäre fast wie Bielefeld. Das gibt es ja auch nicht.[1]

Doch noch Wale 🙂

Als ich am nächsten Tag von einem Ausflug zum Cape Algulhas ins B&B zurückkomme, begegne ich den Besitzern, die gerade versuchen, den kaputten Boiler zu reparieren, der mir eine kalte, morgendliche Dusche spendiert hatte. Brrr. Die Einladung auf das obere Terrassendeck nehme ich wieder gerne an und dieses Mal sehe ich sogar, wie sich ein Wal in der Bucht um seine Längsachse dreht und mir dabei seinen weißen Bauch zeigt. Ein anderer Wal begibt sich gerade aus der Bucht und macht dabei wunderbare Sprünge. Mein Teleobjektiv ist bei Weitem nicht ausreichend für ein vernünftiges Foto, aber im Blau erkennt man etwas, das ein Wal sein kann. 😉

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Serie von Artikeln zu einer Geschäftsreise nach Südafrika, an die ich ein paar Tage Urlaub dran hängen konnte.


[1] S. die Bielefeldverschwörung https://de.wikipedia.org/wiki/Bielefeldverschw%C3%B6rung